Alles Vollkommene in seiner Art muß über seine Art hinausgehen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Haß ist ein aktives Mißvergnügen, der Neid ein passives, deshalb
darf man sich nicht wundern, wenn der Neid so schnell in Haß übergeht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Zwischen heut und morgen liegt eine lange Frist, lerne schnell
besorgen, da du noch munter bist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Eigentlich lernen wir nur aus Büchern, die wir nicht beurteilen
können. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von
uns lernen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das gefährlichste aller Bücher in weltgeschichtlicher Hinsicht, wenn
durchaus einmal von Gefährlichkeit die Rede sein sollte, ist doch wohl
unstreitig die Bibel, weil wohl kein anderes Buch so viel Gutes und
Böses im Menschengeschlecht zur Entwicklung gebracht hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Johann Daniel Falk)
%
Ich kann überhaupt nicht begreifen, fuhr sie fort, wie man hat glauben
können, daß Gott durch Bücher und Geschichten zu uns spreche. Wem die
Welt nicht unmittelbar eröffnet, was sie für ein Verhältnis zu ihm
hat, wem sein Herz nicht sagt, was er sich und anderen schuldig ist,
der wird es wohl schwerlich aus Büchern erfahren, die eigentlich nur
geschickt sind, unsern Irrtümern Namen zu geben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meisters Lehrjahre)
%
Mephistopheles:
  Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist?
Baccalaureus:
  Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II)
%
Baccalaureus:
  Anmaßlich find' ich, daß zur schlechtsten Frist
  Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
  Des Menschen Leben lebt im Blut, und wo
  Bewegt das Blut sich wie im Jüngling so?
  Das ist lebendig Blut in frischer Kraft,
  Das neues Leben sich aus Leben schafft.
  Da regt sich alles, da wird was getan,
  Das Schwache fällt, das Tüchtige tritt heran.
  Indessen wir die halbe Welt gewonnen,
  Was habt Ihr denn getan? genickt, gesonnen,
  Geträumt, erwogen, Plan und immer Plan.
  Gewiß! das Alter ist ein kaltes Fieber
  Im Frost von grillenhafter Not.
  Hat einer dreißig Jahr vorüber,
  So ist er schon so gut wie tot.
  Am besten wär's, euch zeitig totzuschlagen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II)
%
Das Alter hört sich gern, auch wenn es nichts zu sagen hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
...auch das hohe Alter hat seine Blüte...
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
...ein Schiff, das nicht mehr die hohe See hält, ist zu einem 
Küstenfahrer vielleicht immer noch nütze.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
...das Alter trennt uns nach und nach von empfänglichen Menschen,
selten kehrt ein Klang und Ton, den man aussendet, lebhaft und
ergötzlich zurück.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ich bin der Geist, der stets verneint!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Er ist ein heller Geist und also ungläubig.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meisters Wanderjahre III, 15)
%
Es ist gar viel Dummes in den Satzungen der Kirche. Aber sie will
herrschen, und da muß sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt
und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich
dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der
unteren Massen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann)
%
Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Einer neuen Wahrheit ist nichts schädlicher als ein alter Irrtum.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es irrt der Mensch, so lang er strebt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Irrend lernt man.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Glaubt nicht, daß ich fasele, daß ich dichte;
Seht hin und findet mir andre Gestalt!
Es ist die ganze Kirchengeschichte
Mischmasch von Irrtum und von Gewalt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Poetische Werke 1)
%
Auch was Geschriebnes forderst du Pedant?
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Mensch wird in seinen verschiedenen Lebensstufen wohl ein anderer,
aber er kann nicht sagen, daß er ein besserer werde, und er kann in
gewissen Dingen so gut wie in seinem zwanzigsten Jahre recht haben als
in seinem sechzigsten.
                -- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten. Das Unbekannte entwickeln
und nähert sich dem Meister. 
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Dämonen, weiß ich, wird man schwerlich los.
		-- Johann Wolfgang Goethe
%
Vernunft fängt wieder an zu sprechen und Hoffnung wieder an zu blühn;
man sehnt sich nach des Lebens Bächen, ach, nach des Lebens Quelle
hin.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität Es ist nie daran
zu denken, daß die Vernunft populär werde. Leidenschaften und Gefühle
mögen populär werden, aber die Vernunft wird immer nur im Besitze
einzelner Vorzüglicher sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Welt durch Vernunft dividiert, geht nicht auf.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Summe unserer Existenz, durch Vernunft dividiert, geht niemals
rein auf, sondern immer bleibt ein wunderlicher Rest.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust)
%
Es ist nicht genug, zu wissen; man muß auch anwenden.
Es ist nicht genug, zu wollen; man muß auch tun.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Glaube ist nicht der Aufgang, sondern das Ende allen Wissens.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Was ich weiß, kann jeder wissen. Mein Herz habe ich allein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Man meint immer, man müsse alt werden, um gescheit zu sein. Im Grunde
aber hat man bei zunehmenden Jahren zu tun, sich so klug zu erhalten,
als man gewesen ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wir leiden alle am Leben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit
wie das Leben, der täglich sie erobern muß.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Leben lehrt uns, mit uns und anderen weniger streng zu sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wem zu glauben ist, redlicher Freund, das kann ich dir sagen: Glaube
dem Leben! Es lehrt besser als Redner und Buch.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel
gefaßt sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
An der Farbe der Kleidung läßt sich die Sinnesweise, an dem Schnitt
die Lebensweise des Menschen erkennen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gegenüber der Fähigkeit, die Arbeit eines einzigen Tages sinnvoll zu
ordnen, ist alles andere im Leben ein Kinderspiel.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wer spät im Leben sich verstellen lernt, der hat den Schein der
Ehrlichkeit voraus.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Glück ihm günstig sei, was nützt's dem Stöffel,
denn regnet's Brei, fehlt ihm der Löffel.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche
erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Willkürlich handeln ist des Reichen Glück.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
An Worte läßt sich trefflich glauben,
vom Wort läßt sich kein Jota rauben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Kluge findet fast alles lächerlich.  Der Vernünftige so gut wie nichts.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen
sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse
sich dabei doch auch was denken lassen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes
Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu
machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Unsere Wünsche sind die Vorboten der Fähigkeiten, die in uns liegen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Geht es doch unseren Vorsätzen wie unseren Wünschen: Sie sehen sich
gar nicht mehr ähnlich, wenn sie ausgeführt, wenn sie erfüllt sind.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Getretener Quark wird breit - nicht stark.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ein Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr an.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Niemand würde viel in Gesellschaften sprechen, wenn er sich bewußt
wäre, wie oft er die andern mißversteht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Weil du die Augen offen hast, glaubst du, du siehst.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Egmont)
%
Der liebt nicht, der die Fehler des Geliebten nicht für Tugenden hält.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Menschenleben ist seltsam eingerichtet: Nach den Jahren der Last
hat man die Last der Jahre.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Gesetz macht den Menschen, nicht der Mensch das Gesetz.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Tagebuch)
%
Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch
das, was sie lächerlich finden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Menschheit steckt jetzt in einer religiösen Krisis. Seit die
Menschen einsehen lernten, wieviel dummes Zeug man ihnen aufgeheftet,
und seit sie anfangen zu glauben, daß die Apostel und Heiligen auch
nicht bessere Kerle als solche Bursche wie Klopstock, Lessing und wir
anderen armen Hundsfötter gewesen, muß es natürlich wunderlich in den
Köpfen sich kreuzen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Undank ist immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß
tüchtige Menschen undankbar gewesen wären.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Behandle Menschen so, als wenn sie schon so gut wären, wie Du sie
haben willst.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Menschheit wird erst glücklich sein, wenn alle Menschen
Künstlerseelen haben werden, das heißt, wenn allen ihre Arbeit Freude
macht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das beste Monument des Menschen ist der Mensch.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es gibt viele Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren,
verstünden sie auch.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der
Menschen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit,
sie zu übertreten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muß die Gegend verlassen, wo
sie gelten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Du hältst das Evangelium, wie es steht, für die göttliche Wahrheit.
Mich würde eine vernehmliche Stimme vom Himmel nicht überzeugen, daß
das Wasser brennt und das Feuer löscht, daß ein Weib ohne Mann gebiert
und daß ein Toter aufersteht. Vielmehr halte ich dieses für
Lästerungen gegen den großen Gott und seine Offenbarung in der Natur.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Lavater, 9.8.1782)
%
... nennen sich Christen,
und unter ihrem Schafspelz
sind sie reißende Wölfe.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge duld' ich
mit ruhigem Mut, wie es ein Gott mir gebeut. Wenige sind mir jedoch
wie Gift und Schlange zuwider; viere: Rauch des Tabaks, Wanzen,
Knoblauch und das Kreuz!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Mir willst du zum Gotte machen
Solch ein Jammerbild am Holze!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
"Juden und Heiden hinaus!" so duldet der christliche Schwärmer.
"Christ und Heide verflucht!" murmelt ein jüdischer Bart. "Mit den
Christen an Spieß und mit den Juden ins Feuer!" Singet ein türkisches
Kind Christen und Juden zum Spott. Welcher ist der Klügste?
Entscheide! Aber sind diese Narren in deinem Palast, Gottheit, so geh
ich vorbei.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
O Freund, der Mensch ist nur ein Tor,
stellt er sich Gott als seines Gleichen vor.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Der ewige Jude)
%
Einerlei, was für einen Begriff man mit Gott verbindet, wenn man nur
göttlich, das heißt gut handelt!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gott gibt uns Nüsse, aber er beißt sie nicht auf.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Geschichte des guten Jesus hab ich nun so satt, daß ich sie von
keinem, außer von ihm selbst, hören möchte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es werden wohl noch zehntausend Jahre ins Land gehen, und das Märchen
vom Jesus Christus wird immer noch dafür sorgen, daß keiner so richtig
zu Verstande kommt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Du bist! du bist! sagt Lavater. Du bist!!
Du bist!! du bist!!!! du bist, Herr Jesus Christ!!!!
Er wiederholte nicht so heftig Wort und Lehre,
wenn es ganz just mit dieser Sache wäre.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
(Auf Lavaters Lied eines Christen an Christus geschrieben)
%
Die Kirche hat einen guten Magen, hat ganze Länder aufgefressen und
doch nie sich übergessen; die Kirch' allein, meine lieben Frauen, kann
ungerechtes gut verdauen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Kirche segnet den, der ihr zu Diensten fährt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II)
%
Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder!
Der Herr ist auferstanden! - Wer's glaubt!
Schelmen, ihr trugt ihn ja weg.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Epigramme)
%
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet je des Geängstigten?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Prometheus)
%
Geheimnisse sind noch keine Wunder.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wenn ein Wunder in der Welt geschieht, geschieht's durch liebevolle,
reine Herzen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Eckermann: Es täte not, daß ein zweiter Erlöser käme, um den Ernst,
das Unbehagen und den ungeheuren Druck der jetzigen Zustände uns
abzunehmen.
Goethe: Käme er, man würde ihn zum zweiten Male kreuzigen.
%
Die Botschaft hört ich wohl,
Allein mir fehlt der Glaube.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I, Faust)
%
Man kann die Erfahrung nicht früh genug machen, wie entbehrlich man in
der Welt ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meisters Lehrjahre)
%
Erfahrung ist fast immer eine Parodie auf die Idee.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Unsere Eigenschaften müssen wir kultivieren, nicht unsere Eigenheiten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Bedeutsame will jedermann, nur soll es nicht unbequem sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Werk soll den Meister loben!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Vieles geht in der Welt verloren, weil man es zu geschwind für
verloren gibt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wir mögen die Welt kennen lernen, wie wir wollen, sie wird immer eine
Tag- und eine Nachtseite behalten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es ist besser, das geringste Ding von der Welt zu tun, als eine halbe
Stunde für gering halten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Mißverständnisse und Trägheit machen vielleicht mehr Irrungen in der
Welt als List und Bosheit.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Du bist am Ende - was du bist. Setz' dir Perücken auf von Millionen
Locken, setz' deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer,
was du bist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
In deinem Lande sei einheimisch klug, im fremden bist du nicht gewandt
genug.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Land, das die Fremden nicht beschützt, ist zum Untergang
verurteilt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wer sichere Schritte tun will, muß sie langsam tun.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Charakter ruht auf der Persönlichkeit, nicht auf den Talenten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Zur Resignation gehört Charakter.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen
und auf die unsrige nicht achten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wenn man von den Leuten Pflichten fordert und ihnen keine Rechte
zugestehen will, muß man sie gut bezahlen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ein neues Jahr hat seine Pflichten,
ein neuer Morgen ruft zur frischen Tat.
Stets wünsche ich ein fröhliches Verrichten
und Mut und Kraft zur Arbeit früh und spat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fällt es uns
ein. Wie oft können wie jemand begegnen, dem wir Dank schuldig sind,
ohne daran zu denken.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Uns rührt die Erzählung jeder guten Tat, uns rührt das Anschauen jedes
harmonischen Gegenstandes; wir fühlen dabei, daß wir nicht ganz in
der Fremde sind.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie
muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es
möglich wäre.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II, Manto)
%
Dem Klugen, Weitumsichtigen zeigt fürwahr sich oft Unmögliches noch
als möglich.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II, Helena)
%
Überall lernt man nur von dem, den man liebt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir
werden kann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Wille lockt die Taten nicht herbei.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Liegt dir gestern klar und offen, wirst du heute kräftig frei, kannst
auch auf ein Morgen hoffen, das nicht minder glücklich sei.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Jegliches menschliche Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Alles Edle ist an sich stiller Natur uns scheint zu schlafen, bis es
durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Den deutschen Mannen gereichts zum Ruhm,
Daß sie gehaßt das Christentum,
Bis Herrn Karolus' leidigem Degen
Die edlen Sachsen unterlegen.
Doch haben sie lange genug gerungen,
Bis endlich die Pfaffen sie bezwungen,
Und sie sich unters Joch geduckt;
Doch haben sie immer einmal gemuckt.
Sie lagen nur im halben Schlaf,
Als Luther die Bibel verdeutscht so brav.
Sankt Paulus, wie ein Ritter derb
Erschien den Rittern minder herb.
Freiheit erwacht in jeder Brust,
Wir protestieren all mit Lust.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Manchmal sieht unser Schicksal aus wie ein Fruchtbaum im Winter. Wer
soll bei dem traurigen Ansehn desselben wohl denken, daß diese
starren Äste, diese zackigen Zweige im nächsten Frühjahr wieder
grünen, blühen, sodann Früchte tragen können?
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Den Gipfel im Auge wandeln wir gerne auf der Ebene.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Noch ist es Tag; da rühre sich der Mann! Die Nacht tritt ein, da
niemand wirken kann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Keine Vorwürfe über Vergangenes, nun doch nicht zu Änderndes! Jeder
Tag bestehe für sich!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Was jeder Tag will, sollst du fragen, was jeder Tag will, wird er
sagen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Sterne, die begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht, und
mit Entzücken blickt man auf in jeder heitern Nacht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Man denkt an das, was man verließ; was man gewohnt war, bleibt ein
Paradies.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Laß das Vergangene vergangen sein!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Vergangene können wir nicht zurückrufen, über die Zukunft sind wir
eher Meister, wenn wir klug und gut sind.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (An C. Schröter)
%
Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu
schaffen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, Denn was innen ist, ist
außen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Bei großen Unternehmungen wie bei großen Gefahren muß der
Leichtsinn verbannt sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, eh man
es denkt, gefunden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Natur hat weder Kern noch Schale,
Alles ist sie mit einem Male;
Doch prüfe du nur allermeist,
Ob du Kern oder Schale seist!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Sich alles gleichzumachen, ist ein großes Prinzip der Natur. Nur
verschlingt die größre Kraft die andre.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Tun interessiert, das Getane nicht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien I)
%
Das Klügste, was man tun kann, um sich Ruhe zu verschaffen, daß man
gegen die andern ein wenig unverträglich ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Schriften zur Kunst)
%
Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun; drum Brüderchen: Ergo
bibamus.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Irrend lernt man.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Auch ist das Suchen und Irren gut, denn durch Suchen und Irren lernt
man.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Denn höher vermag sich niemand zu erheben, als wenn er vergibt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Reineke Fuchs)
%
Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Alt wird man wohl, wer aber klug?
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Keine Kunst ist's, alt zu werden; es ist Kunst, es zu ertragen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Muß ist hart, aber beim Muß kann der Mensch allein zeigen, wie's
inwendig mit ihm steht. Willkürlich leben kann jeder.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Aufmerksamkeit ist die höchste aller Fertigkeiten und Tugenden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muß sie für fertig
erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das Mögliche getan hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Sei nicht ungeduldig, wenn man deine Argumente nicht gelten läßt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Man frage nicht, ob man durchaus übereinstimme, sondern ob man in
einem Sinne verfährt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wenn du eine weise Antwort verlangst, mußt du vernünftig fragen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wenn man sich nur bewegt, andere in Bewegung bringt, so fügt sich gar
manches schön und gut.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Aber kein Genuß ist vorübergehend: denn der Eindruck, den er
zurückläßt, ist bleibend.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lehrjahre)
%
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut; denn das allein unterscheidet
ihn von allen Wesen, die wir kennen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Denn worin besteht die Barbarei anders als darin, daß man das
Vortreffliche nicht anerkennt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zu J. P. Eckermann)
%
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes
bauen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Aller Anfang ist leicht, und die letzten Stufen werden am seltensten
erstiegen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Erlaubt ist, was gefällt,
Erlaubt ist, was sich ziemt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso)
%
Alles, was uns begegnet, läßt Spuren zurück. Alles trägt unmerklich
zu unserer Bildung bei.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Vor einer Revolution ist alles Bestreben, nachher verwandelt sich
alles in Forderung.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Sein Jahrhundert kann man nicht verändern, aber man kann sich
dagegenstellen und glückliche Wirkungen vorbereiten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lehrjahre)
%
Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den
sie erregt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Man muß etwas zu sagen haben, wenn man reden will.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Jede große Idee, sobald sie in Erscheinung tritt, wirkt tyrannisch.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Der Patriotismus verdirbt die Geschichte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es hört doch jeder nur, was er versteht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu
Rande.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I, Mephisto)
%
Der Witz setzt immer ein Publikum voraus. Darum kann man den Witz auch
nicht bei sich behalten. Für sich allein ist man nicht witzig.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Das Gleiche läßt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns
produktiv macht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es bleibt einem jeden immer noch soviel Kraft, das auszuführen, wovon
er überzeugt ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Am Abend schätzt man erst das Haus.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I / Wagner)
%
Ein guter Abend kommt heran,
Wenn ich den ganzen Tag getan.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lebensgenuß)
%
... und die Überzeugung, daß kleine gemeinschaftliche Abenteuer, so
wie sie neue Bekanntschaften schneller knüpfen, auch den alten günstig
sind, wenn sie nach einigem Zwischenraum wieder erneut werden sollen ...
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Schiller, 14. Okt. 1797)
%
Die Zeit ist vorüber, wo man abenteuerlich in die weite Welt rannte;
durch die Bemühungen wissenschaftlicher, weislich beschreibender,
künstlerisch nachbildender Weltumreiser sind wir überall bekannt
genug, daß wir ungefähr wissen, was zu erwarten sei.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wanderjahre III)
%
Der Aberglaube ist ein Erbteil energischer, großtätiger,
fortschreitender Naturen; der Unglaube das Eigentum schwacher, klein
gesinnter, zurückschreitender, auf sich selbst beschränkter Menschen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Geschichte der Farbenlehre)
%
... eigentlich ergreift der Aberglaube nur falsche Mittel, um ein
wahres Bedürfnis zu befriedigen [...] Denn wer kann sagen, [...] daß
er sich nicht neben dem ernstesten Tun und Leisten, wie mit Glauben
und Hoffnung, so auch mit Aberglauben und Wahn, Leichtsinn und
Vorurteil hinhalte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Geschichte der Farbenlehre)
%
Auch der Aberglaube profitiert vom jeweiligen Stand der Wissenschaft.
		-- Goethe
%
Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens, beide erfinden eingebildete
Wesen, und zwischen dem Wirklichen, Handgreiflichen ahnen sie die
seltsamsten Beziehungen; Sympathie und Antipathie waltet hin und
her. Die Poesie befreit sich immer gar bald von solchen Fesseln, die
sie immer willkürlich anlegt; der Aberglaube dagegen läßt sich
Zauberstricken vergleichen, die sich immer stärker zusammenziehen, je
mehr man sich gegen sie sträubt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Schriften zur Literatur)
%
Der Aberglaube, sowie manches andre Wähnen, verliert sehr leicht an
seiner Gewalt, wenn er, statt unserer Eitelkeit zu schmeicheln, ihr in
den Weg tritt und diesem zarten Wesen eine böse Stunde machen will;
wir sehen alsdann recht gut, daß wir ihn loswerden können, sobald wir
wollen; wir entsagen ihm um so leichter, je mehr alles, was wir ihm
entziehn, zu unserm Vorteil gereicht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit III)
%
Der astrologische Aberglaube ruht auf dem dunklen Gefühl eines
ungeheuren Weltganzen. Die Erfahrung spricht, daß die nächsten
Gestirne einen entschiedenen Einfluß auf Witterung, Vegetation
usw. haben, man darf nur stufenweise immer aufwärts steigen, und es
läßt sich nicht sagen, wo diese Wirkung aufhört. So darf der Mensch im
Vorgefühl seiner selbst nur immer etwas weiter schreiten und diese
Einwirkung aufs Sittliche, auf Glück und Unglück ausdehnen. Diesen und
ähnlichen Wahn möchte ich nicht einmal Aberglauben nennen, er liegt
unserer Natur so nahe, ist so leidlich und läßlich als irgendein
Glaube.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Schiller)
%
Der sogannte Aberglaube beruht auf einer viel größeren Tiefe und
Delikatesse als der Unglaube.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Riemer 12. Dez. 1806)
%
Ist es denn zuviel gesagt, daß ein gewisser Aberglaube an dämonische
Menschen niemals aufhören, ja daß zu jeder Zeit sich immer ein Lokal
finden wird, wo das problematisch Wahre, vor dem wir in der Theorie
allein Respekt haben, sich in der Ausübung mit der Lüge auf das
allerbequemste begatten kann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Tag- und Jahreshefte 1805)
%
Wenn der Pöbel heilige Namen ausspricht, ist's Aberglaube oder 
Lästerung.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Von deutscher Baukunst)
%
Man muß lernen, sich mit dem Leben abzufinden, um es ertragen zu
können und sich nicht von ihm niederschlagen zu lassen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Soret, 5. März 1830)
%
... dieses Festhalten aber am Abgeschiedenen bringt jederzeit einen
revolutionären Übergang hervor, wo das vorstrebende Neue nicht länger
zurückzudrängen, nicht zu bändigen ist, so daß es sich vom Alten
losreißt, dessen Vorzüge nicht anerkennen, dessen Vorteile nicht mehr
benutzen will.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Schriften zur Literatur - Klassiker und Romantiker in Italien)
%
Ein geliebtes Abgeschiedenes umarme ich weit ehe und inniger im
Grabhügel als im Denkmal.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wahlverwandtschaften II)
%
Die Abgeschiednen betracht' ich gern,
Stünd' ihr Verdienst auch noch so fern;
Doch mit den edlen lebendigen Neuen
Mag ich wetteifernd mich lieber freuen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Den Besten)
%
Die Menschen sind nicht nur zusammen, wenn sie beisammen 
sind, auch der Entfernte, der Abgeschiedene lebt in uns.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Egmont)
%
Tadeln darf man keinen Abgeschiedenen; nicht was sie gefehlt und
gelitten, sondern was sie geleistet und getan, beschäftige die
Hinterbliebenen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Biographische Einzelheiten)
%
Nichts Abgeschmackters find' ich auf der Welt,
Als einen Teufel, der verzweifelt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I, Mephisto)
%
Am Ende hängen wir doch ab
Von Kreaturen, die wir machten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II, Laboratorium - Mephisto)
%
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
und für den Edlen ist kein schöner Glück,
als einem Fürsten, den er ehrt, zu dienen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso)
%
Die große Notwendigkeit erhebt, die kleine erniedrigt den Menschen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Riemer, Nov. 1803)
%
Freiwillige Abhängigkeit ist der schönste Zustand, und wie wäre der
möglich ohne Liebe?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wahlverwandtschaften II)
%
Nun wurden wir abermals gewahr, daß man, anstatt sich der
Weichlichkeit und phantastischen Vergnügungen hinzugeben, wohl eher
Ursache habe, sich abzuhärten, um die unvermeidlichen Übel entweder zu
ertragen oder ihnen entgegen zu wirken.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit I)
%
... härtet vielmehr, Gott sei Dank, ihre echten Kinder gegen die
Schmerzen und Übel ab, die sie ihnen unablässig bereitet, so daß wir
den den glücklichsten Menschen nennen können, der der stärkste wäre,
dem Übel zu entgegnen, es von sich zu weisen, und ihm zum Trutz den
Gang seines Willens zu gehen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Schriften zur Kunst)
%
Und daß sich gegen die Witterung abhärten eigentlich sei, seinen 
Körper allen mannigfaltigen Veränderungen mitfühlend machen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte v. Stein, 1. Mai 1777)
%
Denn alles Vornehme ist eigentlich ablehnend.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit III)
%
Man spricht vergebens viel, um zu versagen;
Der andre hört von allem nur das Nein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie auf Tauris)
%
... ich raste nicht, bis ich einen prägnanten Punkt finde, von dem 
sich vieles ableiten läßt, oder vielmehr der vieles freiwillig aus sich 
hervorbringt und mir entgegenträgt, da ich denn im Bemühen und Empfangen 
vorsichtig und treu zu Werke gehe.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre)
%
Alles, auch das sittlich Abnormste, bietet eine Seite dar, von wo es 
als groß erscheinen kann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu F. Weitze, 19. Aug. 1805)
%
Ein abgenötigter Widerruf bringt den Verstand in Verzweiflung.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Sprüche in Prosa - Über Naturwissenschaft II)
%
Es ist auch so viel besser, daß man freundlich abrechnet, als daß man
sich immer einander anähnlichen will, und wenn das nicht reüssiert,
einander aus dem Wege geht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte v. Stein, Febr. 1789)
%
Bei der Abreise fällt einem doch immer jedes frühere Scheiden und 
auch das künftige letzte unwillkürlich in den Sinn.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Italienische Reise I, 21. Febr. 1787)
%
Sie wissen, wenn man sich zur Abreise anschickt, so finden sich am 
Ende mehr Schulden und Reste abzutun, als man denken konnte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Varnhagen v. Ense, 20. Febr. 1832)
%
Die Jugend und die schöne Liebe, alles hat sein Ende.
		-- Goethe
%
Es gehört zu den traurigsten Bedingungen, unter denen wir leiden, uns
nicht allein durch den Tod, sondern auch durch das Leben von denen
getrennt zu sehen, die wir am meisten schätzen und lieben und deren
Mitwirkung uns am besten fördern könnte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Zelter, 4. Aug. 1805)
%
Es ist unmöglich, daß ein alter Freund, der, lang entfernt, ein
fremdes Leben führte, im Augenblick, da er uns wiedersieht, sich
wieder gleich wie ehmals finden soll.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso II)
%
Gar freundliche Gesellschaft leistet uns ein ferner Freund, wenn 
wir ihn glücklich wissen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso IV)
%
Laß mein Aug den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen
Und ich bin doch sonst ein Mann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Der Abschied)
%
Viele Worte frommen nicht den Scheidenden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Elpenor)
%
Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist,
Fliehe mit abgewendetem Blick!
Wenn er, sie schauend, im Tiefsten entflammt ist,
Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück!
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Pandora, Epimetheus)
%
Wie tröstlich ist es, einem Freunde, der auf eine kurze Zeit verreisen
will, ein klein Geschenk zu geben, sei es nur ein neuer Mantel oder
eine Waffe!
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso V)
%
... hat mich die Erfahrung gelehrt, daß man, besonders in 
Deutschland, vergebens Mehrere zu einer Absicht zusammenruft.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an F. L. Passow, 20. Okt. 1811)
%
Kluge Leute merken die Absicht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Hermann und Dorothea)
%
Nicht jede Absicht ist offenbar, und manches Mannes Absicht ist zu 
mißdeuten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Egmont)
%
So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Tasso II)
%
Wer aus großen Absichten fehlgreift, handelt immer lobenswürdiger, als
wer dasjenige tut, was nur kleinen Absichten gemäß ist. Man kann auf
dem rechten Wege irren und auf dem falschen recht gehen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Aufgeregten)
%
Das Absolute steht noch über dem Vernünftigen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu F. v. Müller, 20. Juni 1827)
%
Die Heilige Schrift redet allerdings nur von einem Menschenpaare, das
Gott am sechsten Tage erschaffen. allein die begabten Männer, welche
das Wort Gottes aufzeichneten, das uns die Bibel überliefert, hatten
es zunächst mit ihrem auserwählten Volke zu tun, und so wollen wir
auch diesem die Ehre seiner Abstammung von Adam keineswegs streitig
machen. Wir andern aber, sowie auch die Neger und Lappländer, und
schlanke Menschen, die schöner sind als wir alle, hatten gewiß auch
andere Urväter ...
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann, 7. Okt. 1828)
%
Es ist eine eigene Sache, schon durch die Geburt auf einen erhabenen
Platz in der menschlichen Gesellschaft gesetzt zu sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lehrjahre)
%
Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie I)
%
... das den meisten Menschen Abstruse mit einer gewissen behaglichen 
Freiheit vorzutragen, wirkt immer vorteilhaft.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Ch. L. F. Schultz, 5. Sept. 1822)
%
Der Mensch ist so geneigt, sich mit dem Gemeinsten abzugeben.  Geist
und Sinne stumpfen sich so leicht gegen die Eindrücke des Schönen und
Vollkommenen ab, daß man die Fähigkeit, es zu empfinden, bei sich auf
alle Weise erhalten sollte. Denn einen solchen Genuß kann niemand ganz
entbehren, und nur die Ungewohntheit, etwas Gutes zu genießen, ist
Ursache, daß viele Menschen schon am Albernen und Abgeschmackten, wenn
es nur neu ist, Vergnügen finden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lehrjahre V)
%
Denn bei der größten Wahrheitsliebe kommt derjenige, der vom absurden
Rechenschaft geben soll, immer ins Gedränge: er will einen Begriff
davon überliefern, und so macht er es schon zu etwas, da es eigentlich
ein Nichts ist, welches für etwas gehalten sein will.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Italienische Reise II, 9. April 1787)
%
Nichts schrecklicher kann den Menschen geschehn
Als das absurde verkörpert zu sehn.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Über das absurde schreit jedermann auf und freut sich, etwas so tief
unter sich zu sehen. Über das Mittelmäßige erhebt man sich mit
Behaglichkeit.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Schiller, 4. Sept. 1799)
%
Was hast du uns absurd genannt!
absurd allein ist der Pedant.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Wenn der Jüngling absurd ist,
Fällt er darüber in lange Pein;
Der Alte soll nicht absurd sein,
Weil das Leben ihm kurz ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Abwechslung ohne Zerstreuung wäre für Lehre und Leben der schönste
Wahlspruch, wenn dieses löbliche Gleichgewicht nur so leicht zu
erhalten wäre!
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wahlverwandtschaften II)
%
Macht man nicht gern eine entfernte Spazierfahrt, um einen Kaffee zu
trinken, einen Fisch zu genießen, der uns zu Hause nicht so gut
geschmeckt hätte? Wir verlangen Abwechslung und fremde Gegenstände.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wahlverwandtschaften I)
%
Der Abwesende ist eine ideale Person; die Gegenwärtigen kommen sich
einander ganz trivial vor.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Zelter, 19. Okt. 1829)
%
Die Abwesenden sind wie die Toten fern und ohne Gewalt, deswegen man
auch Gutes von ihnen reden soll.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte v. Stein, 9. Nov. 1778)
%
Denn wenn man in einer stillen Geschäftigkeit fortlebt, und nur mit
dem nächsten und alltäglichen zu tun hat, so verliert man die
Empfindung des Abwesenden, man kann sich kaum überreden, daß im Fernen
unser Andenken noch fortwährt, und daß gewisse Töne voriger Zeit
nachklingen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Jenny v. Voigts, 21. Juni 1781)
%
Der Tod des Achill scheint mir ein herrlich tragischer Stoff..
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Schiller, 23. Dez. 1797)
%
Der Achse wird mancher Stoß versetzt,
Sie rührt sich nicht - und bricht zuletzt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Könnten wir, ohne ängstlich zu werden, auf uns acht geben, was in
unserm komplizierten bürgerlichen und geselligen Leben auf uns günstig
oder ungünstig wirkt, und möchten wir das, was uns als Genuß freilich
behaglich ist, um der übeln Folgen willen unterlassen, so würden wir
gar manche Unbequemlichkeit, die uns bei sonst gesunden Konstitutionen
oft mehr als eine Krankheit selbst quält, leicht zu entfernen wissen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit II)
%
Aber man gelangt gar bald auf dem Wege der Berühmtheit zur
Geringachtung derselben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (A. G. v. Stroganoff, 1825-1830)
%
Wir sind nur insofern zu achten, als wir zu schätzen wissen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Lehrjahre)
%
Adam [als Modell für einen Bildhauer], der schönste Mann, so
vollkommen, wie man sich ihn nur zu denken fähig ist. Er mag die eine
Hand auf einen Spaten legen, als ein Symbol, daß der Mensch berufen
sei, die Erde zu [be]bauen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann, 1830)
%
Adel ist ein Gepräge, das sich durch kein Inkognito verbergen läßt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann, 1832)
%
Sie scheinen mir aus einem edlen Haus:
Sie sehen stolz und unzufrieden aus.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Wer sich mit der Administration abgibt, ohne regierender Herr zu sein,
der muß entweder ein Philister oder ein Schelm oder ein Narr sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte v. Stein, 1786)
%
Advokat, daß heißt, einer, der aus jeder Sache etwas zu machen weiß?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu F. J. Frommann, 1827)
%
Leider ruht auf dem, was Advokatenhände berühren, so leicht ein
Fluch.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Zelter, 1803)
%
Dieweil nun Affe, Mensch und Kind
Zur Nachahmung geboren sind.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Parabel)
%
Goethe haßte die Affektation. Er saß einmal bei einer Mittagstafel
zwischen zwei Fräuleins vom Lande. Das eine war sehr ästhetisch, das
andere geradezu prosaisch. Das ästhetische hatte ihn lange mit
närrischen Entzückungen und sublimen Affektionen ermüdet. Als eine
Ananas gegessen wurde, rief es: Ach, ach [...], so eine Ananas riecht
doch ganz göttlich! Hm. sagte Johann Wolfgang von Goethe (woher wissen Sie denn)
eigentlich, wie die Götter riechen? Die andere fragte er darauf:
Wieviel Kühe hat Ihr Vater?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu A. Oehlenschläger, 1806)
%
Wer fühlt nicht einiges Behagen beim Eintreffen einer Ahnung, selbst
einer traurigen?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit)
%
Der nur verdient geheimsnisvolle Weihe,
Der ihr durch Ahnung vorzugreifen weiß.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Die natürliche Tochter)
%
Ich bin nicht abergläubisch ... und gebe nichts auf diese dunklen
Anregungen [Ahnungen], insofern sie nur solche wären; aber es sind
meistenteils unbewußte Erinnerungen glücklicher und unglücklicher
Folgen, die wir an eigenen oder fremden Handlungen erlebt haben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wahlverwandtschaften)
%
Akademie ist Akademie, Bohlheim Berlin oder Paris, wo die satten
Herren sitzen, die Zähne stochern und nicht begreifen, warum kein Koch
was bereiten kann, das ihnen behage.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an F. H. Jacobi, 1774)
%
Dann gabs ein Gerede, man weiß nicht wie:
Das nennt man eine Akademie.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Parabolisch)
%
Jede der deutschen Akademien hat eine besondere Gestalt; denn weil in
unserem Vaterlande keine allgemeine Bildung durchdringen kann, so
beharrt jeder Ort auf seiner Art und Weise und treibt seine
charakteristischen Eigenheiten bis auf Letzte.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit)
%
Überall treibt man auf Akademien viel zu viel, und gar zu viel
Unnützes. Auch dehnen die einzelnen Lehrer ihre Fächer zu weit aus,
bei weitem über die Bedürfnisse der Hörer. [...] Wer klug ist, lehnet
daher alle zerstreuende Anforderungen ab und beschränkt sich auf ein
Fach und wird tüchtig in einem.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann, 1824)
%
Was ist der Akademiker anders, als ein eingelerntes und angeeignetes
Glied einer großen Vereinigung?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Zelter, 1832)
%
Die Geschäftsleute bedenken nicht, daß Akten, vom lateinischen Acta
hergeleitet, so viel heißt als Getanes, und daß also darin keineswegs
eingeheftet werden dürfe, was man tun werde oder wolle.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Zelter, 1811)
%
Doch liegt, ich darf es wohl berühren,
In Staub von Akten und Papieren
Gar wunderbare Zauberkraft,
Zu sänftigen die Leidenschaft.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Nachspiel zu Ifflands Hagestolzen)
%
Es ist kein sichrer Mittel, die Welt für Narrn zu halten, als sich
albern zu stellen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Tagebuch, 1775)
%
Betrachtet man die Alchemie überhaupt, so findet man an ihr dieselbe
Entstehung, wie wir [...] bei anderer Art Aberglauben bemerkt
haben. Es ist der Mißbrauch des Echten und Wahren, ein Sprung von der
Idee, vom Möglichen, zur Wirklichkeit, eine falsche Anwendung echter
Gefühle, ein lügenhaftes Zusagen, wodurch unsern liebsten Hoffnungen
und Wünschen geschmeichelt wird.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Geschichte der Farbenlehre)
%
In deinem Nichts hoff ich das All zu finden.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust)
%
Was bin ich denn gegen das All?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wanderjahre)
%
Es ist nicht gut, daß der Mensch alleine sei, und besonders nicht, daß
er alleine arbeite; vielmehr bedarf er der Teilnahme und Anregung,
wenn etwas gelingen soll.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Eckermann, 1830)
%
Im Kleinen ist man nicht allein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Man sollte nicht so lange allein bleiben, man versenkt sich in gewisse
Interessen, die den ganzen Geist einnehmen, und wenn man in die Welt,
ja zu Freunden kommt, so sieht man, daß außen keine Spur vorhanden ist
von dem, was uns innerlich beschäftigt, und daß man sein Eigenstes
gerade am wenigsten anknüpfen kann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Charlotte v. Stein, 1802)
%
Mir gäb es keine größre Pein,
Wär ich im Paradies allein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Sitz ich allein,
Wo kann ich besser sein?
Meinen Wein
Trink ich allein,
Niemand setzt mir Schranken,
Ich hab so meine Gedanken.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ältere Bekanntschaften und Freundschaften haben vor neuen
hauptsächlich das voraus, dass man sich einander schon viel
verziehen hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Man sagt immer was Dummes, wenn man was Allgemeines oder was künftig
zu Tuendes sagt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Lavater, 1777)
%
Jeder Charakter, so eigentümlich er sein möge, und jedes
Darzustellende, vom Stein herauf bis zum Menschen, hat Allgemeinheit;
denn alles wiederholt sich, und es gibt kein Ding in der Welt, das nur
einmal da wäre.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann, 1823)
%
Wer jedoch das Allgemeine zum Grund legt, wird sich nicht leicht einer
Anzahl wünschenwerter Schüler zu erfreuen haben.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Tag- und Jahreshefte 1805)
%
Doch man bewirkt das Wunderbare nicht auf alltägliche Weise.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Was wir bringen)
%
Allwissend bin ich nicht;
doch viel ist mir bewußt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I / Mephisto)
%
Alt wird man wohl, wer aber klug?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II / Mephisto)
%
Bedenkt: Der Teufel, der ist alt;
So werdet alt, ihn zu verstehn.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II / Mephisto)
%
Eben, wenn man alt ist, muß man zeigen, daß man noch Lust zu leben hat.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Was wir bringen)
%
Ich würde Sie dringender einladen, wenn ich mir nicht allzusehr bewußt
wäre, daß wir in dem Herbst und Winter des Lebens starrer und
schroffer werden als billig ist: die Wirkung dieser Eigenschaften wird
durch guten Willen, am besten aber durch Entfernung gemildert.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Christian Schlosser, 1813)
%
Keine Kunst ist's, alt zu werden, es ist Kunst, es zu ertragen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Wenn man alt ist, denkt man über die weltlichen Dinge anders, als da man 
jung war.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (zu Eckermann)
%
Wenn man fühlt, daß man mit den Jahren vielleicht an Übersicht und
Geschmack gewonnen hat, so glaubt man einigen Ersatz zu sehen, wenn
sich Energie und Fülle nach und nach verlieren.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (an Carl von Knebel, 1799)
%
Wer lange lebt, hat viel erfahren,
Nichts Neues kann für ihn
auf dieser Welt geschehn.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II / Mephisto)
%
Des Kindes Hoffnung ist der Jüngling, des Jünglings der Mann.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Egmont)
%
Immer ist der Mann ein junger Mann, der einem jungen Weibe wohl
gefällt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Nausikaa)
%
Was Alte lustig sungen,
Das zwitschern muntre Jungen;
Was tüchtige Herren taten,
Wird Knechten auch geraten;
Was einer kühn geleistet,
Gar mancher sich erdreistet.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern,
Und hüte mich, mit ihm zu brechen.
Es ist gar hübsch von einem großen Herrn,
So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Wie aber den Frauen der Augenblick, wo ihre bisher unbestrittene
Schönheit zweifelhaft werden will, höchst peinlich ist, so wird den
Männern in gewissen Jahren, obgleich noch in völligem Vigor, das
leiseste Gefühl einer unzulänglichen Kraft äußerst unangenehm.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wanderjahre)
%
Zahnreihen aber, junge, neidlos anzusehn,
Das ist die größte Prüfung mein, des Alten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Zahme Xenien)
%
Verlang ich Rat von einem alten Weibe?
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I / Faust)
%
Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Erlkönig)
%
Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie)
%
Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie)
%
Du sprichst ein großes Wort gelassen aus.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie)
%
Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Iphigenie)
%
Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Torquato Tasso)
%
Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meister)
%
Wer sich der Einsamkeit ergibt, ach! der ist bald allein!
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Wilhelm Meister)
%
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Dummes Zeug kann man viel reden
Kann es auch schreiben.
Wird weder Leib noch Seele töten.
Es wird alles beim Alten bleiben.

Dummes aber vors Auge gestellt
Hat ein magisches Recht.
Weil es die Sinne gefesselt hält,
bleibt der Geist ein Knecht.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust I)
%
Einem bejahrten Manne verdachte man, daß er sich noch um junge
Frauenzimmer bemühte. "Es ist das einzige Mittel", versetzte er, "sich
zu verjüngen, und das will doch jedermann."
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Maximen und Reflexionen)
%
Man schont die Alten, wie man die Kinder schont.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Maximen und Reflexionen)
%
